Peters Laube von Jana Jürß
9/2010
„Peter hatte nicht so schnell mit diesem Erfolg
gerechnet, er musste
handeln. Er stellte sich ans Fenster, winkte mehrmals, nur kurz,
dafür
aufrichtig, seinem Volk zu und ließ seine Nationalhymne
erklingen.
Sofort war die Menschenmasse auf dem Platz still, sie rührten
sich
nicht, das einzige, was sich weiterhin bewegte, war das Fahnenmeer.
Nach der Hymne stellte Peter das CD-Radio auf Pause und die Menge dort
unter ihm begann durchdringend zu jubeln. Sie schrien, sie kreischten,
ganz so, als wäre die Welt neu erschaffen worden.“
Als die Journalistin Jele die DDR verließ, blieben ihre
jüngere Schwester Friederike und ihre große Liebe
Peter zurück.
Peter,
der nach der Wende einige Jahre im Westen lebte, hat dort
nicht Fuß
fassen können. Er verliert nicht nur seine Arbeit, sondern
wird auch
von seiner Familie verlassen. Nach der Rückkehr in
seine Heimatstadt
Neustrelitz lebt er fortan allein in einer Laube.
Als
Jele mehr als 15 Jahre nach der Wende ihre Schwester besucht, sieht sie
Peter wieder, der inzwischen in seiner Laube die DDR hat auferstehen
lassen. Über dem Holztor am Eingang prangen zwei Schilder aus
Metall,
auf denen in blauen Lettern das Wort „DDR“ zu lesen
ist und die Mahnung
„Hinter diesem Tor gelten die Gesetze der Deutschen
Demokratischen
Republik“. Was Jele dann bei einem Besuch in der Laube
erlebt, lässt
sie an Peters Verstand zweifeln...
Mit leiser Eindringlichkeit und
großem Einfühlungsvermögen lässt
Jana Jürß den Leser eintauchen in
Peters Welt und verwebt sein Schicksal auf gekonnte Weise mit dem der
beiden Schwestern Jele und Friederike, die trotz aller
Rückschläge und
Enttäuschungen die alten DDR-Verhältnisse nicht
zurückhaben möchten.
Gespannt
verfolgt der Leser, wie Peter am 7. Oktober, dem ehemaligen
Nationalfeiertag zur Gründung der DDR, seinen Traum
verwirklicht, das
Rathaus besetzt, die DDR-Flagge hisst und die DDR ausruft und
welche
entscheidende Rolle eine alte, gehbehinderte Frau an diesem
Tag spielt.
Jana
Jürß hat einen anrührenden, grotesken,
klugen und witzigen Roman
geschrieben, der zeigt, wie die jahrzehntelange Teilung Deutschlands
die ganz persönlichen Lebensge-schichten einzelner Menschen
prägen
konnte – in Ost und West.
Die Autorin:
Jana Jürß ist in Neustrelitz (Mecklenburg) geboren
und aufgewachsen. Sie arbeitete viele Jahre in der IT-Branche , und ist
seit 2005 als freiberufliche Schriftstellerin und Publizistin
tätig. Im Wartberg Verlag ist von ihr bereits der Band
„Aufgewachsen in der DDR - Wir vom Jahrgang 1970“
erschienen. Jana Jürß lebt heute in Ostfriesland.
Bibliographische Angaben:
Jana Jürß, Peters Laube
252 Seiten, kartoniert, 10,90 €, ISBN 978-3-8313-2353-1,
erhältlich überall dort, wo es Bücher gibt