DDR – Was war das?
 

In dem Buch "DDR - durch Menschen gelebt" (Geest-Verlag 2007) , welches in seiner Konzeption einzigartig auf dem Buchmarkt steht, verbindet die Autorin die Darstellung des subjektiven Empfindens in literarischen Texten mit der Schilderung von Sachverhalten, da im historischen Erinnern eines vom anderen nicht zu trennen ist. Die einleitenden literarischen Erzählungen schaffen einen Eindruck von der Lebenswirklichkeit. DDR – viele Jüngere wissen noch nicht einmal mit dem Namen etwas anzufangen, geschweige denn mit dem Leben und dessen Organisation in einem der beiden deutschen Staaten, der bis vor knapp 20 Jahren Bestandteil unserer Wirklichkeit war. „Wiedervereinigung. Eines fraß das andere. Gut durchgekaut, verschluckt, jetzt liegt es manchmal schwer im Magen. Aus Freude wurde Frust, aus Hoffnung wurde Unverständnis, aus Liebe manchmal Hass. Die Geschichte der Menschen der DDR ist eine der zwei deutschen Geschichten nach 1945. Nicht weniger wichtig, nicht weniger wert.“ 

In „Aufgewachsen in der DDR“ (Wartberg-Verlag 2007) erzählt die Autorin: „Wir wuchsen unbeschwert auf, trotz Kalten Kriegs und Mauer. Wir liebten Westpakete und Westfernsehen ebenso wie Pittiplatsch und Club-Cola. Wir feierten Sigmund Jähn, freuten uns mit Jens Weißflog und fuhren um die Wette mit Olaf Ludwig. Friedensfahrt, Stasi und Partei - Worte, die uns von klein auf begleiteten, ebenso wie die Russen zum Stadtbild gehörten und das Anstehen in der Kaufhalle Alltag war. Wir waren Pioniere und FDJler, schworen Eide und waren uns sicher, es würde immer so weitergehen.“ 

Die Erzählung „Abschied einer Illusion“ (Geest-Verlag 2007) verdichtet das Bild auf die DDR. Iris Wurzler, Anfang 20, eine junge Frau spricht über ihre Entscheidung, ihr Land zu verlassen. Am Bahnhof ihrer kleinen Heimatstadt beginnt die Ausführung. Sie erzählt, weshalb sie sich zu dem Entschluss der Republikflucht durchgerungen hat, sie, die bis dahin behütet und zufrieden gelebt hatte. Sie spricht von ihren Idealen, von ihren Erfahrungen, von ihrer Liebe zu zwei Männern. Sie erzählt von ihren Kollegen, von ihren Parteikollegen, dem Parteivorsitzenden. Sie offenbart ihre Begegnungen mit der Staatssicherheit. Iris fühlt sich allein, sie wird bloßgestellt, in die Ecke gedrängt, man fordert sie auf, ihre Mitmenschen auszuspionieren. Man intrigiert gegen sie und jeden und wünscht es von ihr und jedem. Sie wird misstrauisch, meist verängstigt, sie ist verwirrt. Dies zeigt sich in den „Begegnungen" mit Erich Honecker, dessen Augen von vielen Wänden auf sie herabblicken, die sich von nun an scheinbar aus den Bildern lösen, um Iris Schmerzen in jeglicher Art zuführen zu können.

Jana Jürß liest szenisch aus diesen Büchern und schafft so einen umfassenden Blick auf ein fast schon vergessenes Land – die DDR.

 

Für Veranstalter:

Lesedauer 60 Minuten + Gespräch
Technik wird benötigt (Mikrofon, Lautsprecher, Verstärker für Musik)

Kontaktaufnahme: lesung(at)jana-juerss.de