In der Levure littéraire Nr. 8 (1)

          Levure littéraire Nr. 8 (2)

        

Geboren und aufgewachsen in Neustrelitz (Mecklenburg), als siebtes Kind eines Lehrers und einer Hausfrau. Beruflich lange im IT-Bereich zuhause, bis endlich die Möglichkeit bestand, nicht nur in der knappen Freizeit zu schreiben.
Seit 2005 freiberufliche Autorin.
Verheiratet, zwei Kinder.
Bereits seit frühster Kindheit entdeckte sie die Liebe zur Literatur, Stunden konnte sie in einer Ecke im Zimmer hocken. Hauptsache, sie hielt ein Buch in den Händen und durfte darin lesen.
Einige Begleiter ihrer Jugend: Hans Fallada, William Somerset Maugham, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Fjodor M. Dostojewski und Michail Alexandrowitsch Scholochow.
Seit der Flucht aus der DDR immer wieder auf der Suche. Sie veröffentlicht auch unter Pseudonymen, eines davon ist Linda Roos.

 

 

 Jana Jürß unterstützt seit 2014 aktiv die Initiative Fairer Buchmarkt. Im Mai 2016 wurde sie zur geschäftsführenden Sprecherin im Syndikat gewählt.

 

 

 

Mariannes Himmelpforte

Was verbinden? Den Kopf verbinden, das Herz verbinden? Oder besser abbinden, bis es nicht mehr weh tut?

Doch steige ich aus, ohne Verbandszeug. Ich bin Marianne, war es schon immer und muss sehen, wo ich hingekommen wäre. Wo ich hingehörte, eigentlich. Wie es üblich war. Muss sehen, wie ich meine letzten Tage verbracht hätte, wenn es nicht beendet wäre. Zwei Hunde laufen mir vor die Füße, zwei große langhaarige Schäferhunde. Ich mag Tiere, wie nichts sonst auf dieser Welt. „Heinrich“ höre ich einen Ruf, „Heinrich“, wieder, lauter, ein Befehl nun. „Himmler, kommt her, zu mir. Kommt zum Herrchen!“. Die Stimme bekommt ein Gesicht, einer der Hunde bellt, der andere wedelt mit dem Schwanz. Die Stimme schreit: „Ihr blöden Hunde!“ Beide Hunde laufen zu dem Gesicht, werfen sich hin, freuen sich.

Andere Gesichter stehen dabei, hören, wie das eine Gesicht Heinrich und Himmler belehrt, wie die Stimme ihnen sagt, sie sollten nicht zu Fremden, könnte doch sein, dass diese dreckiges Blut haben, könnte doch sein, Heinrich und Himmler würden sich ins dreckige Blut verbeißen und sich den Magen verderben. Die anderen Gesichter gehen leise weg, wollen nicht die sein, an denen sich der Magen verdorben wird...